Aloys

Die Geschichte von dem kleinen Aloys de la Palma und  der großen Baffi

 Es gibt Hunde- Hunde und Menschenhunde. Hunde-Hunde leben gern in der Gesellschaft ihrer Artgenossen und sind schon zufrieden, wenn sie einen Menschen als Leithund haben.

Menschenhunde verlangen mehr. Sie wollen Haus-und Tischgenossen „ihres“ Menschen werden und möglichst auch noch das Nachtlager mit ihm teilen.. Am liebsten sitzen sie auf seinem Schoß oder möchten wenigstens ihren Kopf in den Menschenschoß betten.

So ein Menschenhund war der kleine Aloys ! So ein Menschenhund ist die große Baffi.

Vielleicht mußten die beiden deswegen den weiten Weg von der schönen Insel im Atlantik nach Deutschland machen, denn die Insel versagte ihnen das Leben, das sie brauchten, um glücklich zu sein.

Aloys war ein reinrassiger „ Perro de aqua „ , wie man uns erzählte. Aber dennoch jagten ihn  seine Besitzer eines Tages aus dem Haus. Als man ihn fand, war er völlig heruntergekommen und krank. Das ehemals weiße Fell hing ihm verfilzt über die Augen, so daß er sich angewöhnt hatte, sie geschlossen zu halten. Er konnte ja ohnehin durch den verdreckten Fellvorhang nichts sehen.

Das Mäulchen war von den verfaulten und lose sitzenden Zähnen blutverschmiert. Der Tierarzt mußte ihm später fast alle ziehen. Der kleine Hund war herzkrank, hatte einen Hodentumor und lief auf 3 Beinen. Die linke Vorderpfote hielt er hoch, weil ihm eine Kralle in die Pfote gewachsen war. Die Kralle wurde in Deutschland herausoperiert, aber das ganze Beinchen war schon so verändert, daß daß er auch nach der Operation nur auf Wald- oder Teppichboden auf 4 Beinen lief. Ein Hund mit einem schweren Karma, wie jemand treffend sagte. Aber trotz oder gerade wegen dieses schweren Schicksals war er ein tapferer, lebensfroher und sogar glücklicher kleiner Hund, zumindest in der Zeit, die ihm das Geschick in Deutschland noch gönnte. Diese geschenkten Tage, Wochen und Monate verbrachte er in einem kleinen Haus mit Garten und genoss sein Dasein in vollen Zügen. Tagsüber lag er meistens auf der Couch in Rückenlage , alle 4 Beine in die Luft gestreckt. Nachts schlief er im Hundekörbchen bei seiner Pflegemutter. Seine Paten ermöglichten ihm ein Leben in bescheidenem Luxus.

Für alle seine Bedürfnisse war gesorgt. Wenn ihn hungerte, fraß er, und was ihm nicht schmeckte, ließ er einfach stehen. Sorgfältig und mit Imponiergehabe hinterließ er seine Duftmarke an allen Bäumen in der Umgebung , denn jetzt war er nicht mehr der namenlose Streuner, sondern der große „ Aloys de La Palma. „ Er rannte durch den Wald, daß ihm die Ohren um den Kopf flogen. Er gewann die Menschenherzen im Sturm und machte es sich auf ihrem Schoß bequem. Und weil er schon gleich am ersten Tag durch lautes Bellen und Schreien kundtat, daß er nie mehr alleine zu bleiben gedachte, mußte ihn seine  Pflegemutter sogar mit in die Schule nehmen. Da saß er würdevoll auf einem Lehrersessel und ließ sich in der Pause von allen verwöhnen.Als seine Lebensuhr langsam zu laufen begann, verlängerten Ärzte seine Erdenzeit noch etwas. Aber dann beschloß Aloys , daß es genug sei. Er stellte das Fressen ein und lag nur noch still auf der Couch. Der Tierarzt half seinem geschwächten Körper ganz liebevoll und sacht über die Schwelle. Und dann erhob sich die kleine Hundeseele und kehrte lächelnd nach der schönen Insel im Atlantik zurück. Für uns war die Zeit mit ihm sehr kurz, aber für ihn war sie offenbar lang genug.

So wie um ihn wollen wir uns nun auch um Baffi kümmern. Sie wohnt wie er in den kleinen Haus mit Garten, in dem sein kleiner Körper begraben wurde. In Baffis sprechenden Augen lesen wir ihre leidvolle Lebensgeschichte : „auch ich komme von der schönen Insel im Atlantik . Als ich ihnen genug Kinder geboren hatte , wurden sie meiner überdrüssig . Eines Tages brachten sie mich in die Berge. Dort banden sie mich mit einem kurzen Strick fest und verließen mich. Vor Hunger, Herzeleid und Einsamkeit fraß ich Steine , so daß meine einstmals kräftigen Zähne abgemahlen sind. Am Ende war ich so schwach, daß ich nicht mehr stehen konnte. Die Tierschützer mußten mich tragen , als sie mich fanden. Nun habe ich in Deutschland ein neues Leben begonnen.

Bitte bringt mich nie wieder zurück in die Einsamkeit, denn ich bin Baffi - 

e i n   M e n s c h e n h u n d !!!

 

Tiernothilfe Hagen e.V.  ,Neisenstr. 12,  58099 Hagen

Aktualisiert 15.02.2013

 

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